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Verband der Thessalien-Vereine Deutschlands und anderer Staaten Europas VASSILIOS TSITSANIS e.V.

Dr. Evthymios Papachristos, Vaios Fassoulas, Diamantis Gikas, Barbara Sterl

Baerbel Loewe, Babis Tsakmakidis, Inge Woerlein, Ulrike Schmidt.

    ERSTES DEUTSCHES-GRIECHICH FORUM IN NÜRNBERG

    Die EU-Verfassung:  Was trennt die Befürworter von ihren Gegnern?

    Als sehr positiv wurde die Initiative des Verbandes der Griechischen Thessalien-Vereine Europas bewertet, der dadurch seinem Anspruch voll nachgekommen ist, die Thessalien-Vereine in Europa zu vertreten und sich mit Sachthemen auseinander zu setzen, die die Region Thessalien (Mittelgriechenland), Griechenland ebenso wie Europa berühren. 

    Der Verband der Thessalien-Vereine in Europa, das Nachbarschaftshaus Gostenhof und der Beirat des Nachbarschaftshauses Gostenhof veranstalteten gemeinsam am 27.11.2005 das erste deutsch-griechische Forum in Nürnberg. Es handelt sich um den Beginn einer Veranstaltungsreihe mit mitreißenden politischen, sozialen, schulischen und kulturellen Fragen in unregelmäßigen Abständen. Das Thema diesmal war „Die EU-Verfassung – Was trennt die Befürworter von ihren Gegnern?“.

    Am Forum nahmen folgende Referenten teil: Barbara Sterl, Europe Direct Relais Wirtschaftsreferat der Stadt Nürnberg, Babis Tsakmakidis, Vorsitzender der Griechischen Gemeinde Nürnberg e.V., Inge Wörlein, Evangelisches Forum für den Frieden Nürnberg und Vaios Fassoulas, griechischer Schriftsteller. Das Programm moderierten Diamantis Gikas, Ulrike Schmitt und Bärbel Löwe.

    Zuständig für zusammenfassendes Dolmetschen  war Dr. Evthymios Papachristos. An der Veranstaltung nahmen etwa 80 griechische und deutsche Bürger teil. Ebenfalls anwesend waren Verbandsmitglieder, nämlich die Thessalien-Vereine München, Schweinfurt und Nürnberg.

    Eingangs stellte Frau Sterl den Verlauf der EU-Verfassung von ihrer Vorbereitung bis zu ihrem heutigen Stand, nach deren Ablehnung in Frankreich und den Niederlanden, vor. Mit besonderen Details erläuterte sie jene Verfassungskapitel, die Erneuerungen im Vergleich zu den bisherigen geltenden zwischenstaatlichen Verträgen enthalten.

    Die Referenten (zwei Griechen und zwei Deutsche) stellten erst kurz ihren allgemeinen Standpunkt zur EU-Verfassung vor, wobei sie Hoffnungen auf eine wirklich gerechte Europäische Union ebenso wie Ängste vor der Abschaffung oder zumindest Aufgabe mancher erworbenen Grundprinzipien und -rechte ausdrückten.

    Eine gemeinsame Feststellung war, dass sich die wenigsten EU-Bürger intensiv mit dem Inhalt der EU-Verfassung beschäftigten, während die Masse nicht nur geringes Interesse zeigte, sondern dieses Gesetzeswerk völlig ignorierte; allerdings strengten sich andere Träger auch nicht besonders an, um die Bürger dazu zu bewegen, den Inhalt der  EU-Verfassung zu studieren. Wollte man es oder nicht, war die Ratifizierung der Verfassung lediglich durch die Parlamente mancher Mitgliedsländer der EU und durch ein Volksreferendum beabsichtigt oder nicht?

    In der Hauptdiskussion äußerten die Referenten gegensätzliche Auffassungen über die EU-Verfassung und generell über die EU wie folgt:

    1) Die Zusammenfassung aller verstreuten zwischenstaatlichen Verträge zu einer von allen Mitgliedsländern der EU akzeptierten Verfassung ist ein positiver Schritt.

    2) Die kritischen Befürworter der EU zweifeln an der gemeinsamen kulturellen Vergangenheit der Völker der EU und an der Fähigkeit der EU-Gremien, diese unterschiedlichen Völker friedlich zu vereinen und zu integrieren.

    3) Da sich die EU an der Politik der USA orientiert und deren kriegerische und wirtschaftliche Handlungen absegnet, kann sie die wohlklingenden Worte der EU-Verfassung nicht realisieren.

    4) Gerade eine EU, die mit einer Stimme redet, kann das starke Gegengewicht gegen die USA sein, damit sie nicht mehr den Planetenherrscher spielen.

    5) Falls die Mitgliedsländer ihre Zuständigkeit, ein eigenes militärisches Eingreifen in Krisenregionen zu beschließen, auf die EU übertragen, dann wird das Nationalparlament geschwächt, folglich wird der unmittelbare Wille des Volkes in Sachen Krieg und Frieden gefälscht.

    6) Diese EU unterscheidet sich keineswegs in der Ausbeutung der Völker durch die Globalisierung, durch die Massenentlassungen, durch die willkürlichen militärischen Einsätze usw. von den USA.

    7) Durch die EU-Mitgliedschaft der Türkei können gutnachbarschaftliche Beziehungen ebenso wie die Aufhebung des Zypernteilung erreicht werden, auch wenn es seitens der EU Rückschritte und Verzögerungen gibt.

    Wegen der Mehrheit der griechischen Zuhörer, die den Referate und Stellungnahmen in deutscher Sprache nicht voll folgen konnten, plant der Vorstand des Verbandes eine weitere Veranstaltung ausschließlich in griechischer Sprache. Das vollständige Dolmetschen aller Referate wurde im Voraus als nicht angemessen angesehen, denn die Veranstaltung würde doppelt so lang dauern und sehr ermüden. 

    Es ist selbstverständlich, dass die obigen Ausführungen nicht unbedingt von dem Verband geteilt werden, der diese interessante Veranstaltung geplant und organisiert hat.

    Dr. Evthymios Papachristos