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Verband der Thessalien-Vereine Deutschlands und anderer Staaten Europas VASSILIOS TSITSANIS e.V.

VORTRAG - Alexandros Elladius

Der Referent Dr. Schultheiss und der Übersetzer Dr. E. Papachristos

Die Besucher der Veranstaltung

In der Aula der Universitaet Altdorf die griechische Goettin Athena

Mit großem Interesse und befriedigender Teilnehmeranzahl griechischer Landsleute und deutscher Freunde hat der Verband der Thessalien-Vereine Deutschlands und anderer Staaten Europas „VASSILIS TSITSANIS“ am 23.06.07 eine gelungene Veranstaltung zu Ehren des Larissäers Alexander Helladius in Altdorf bei Nürnberg durchgeführt.

Den Vortrag «Der Aufenthalt und das Wirken von Alexander Helladius in Altdorf (1709 – 1714)» hielt der bekannte Philhellene  Dr. Ernst-Friedrich Schultheiss in einem Saal der alten Universität.

Über den Medizinstudenten Alexander mit dem Pseudonym „Helladius“ aus der mittelgriechischen Stadt Larissa ist Folgendes bekannt: Nach seinem Aufenthalt in London und Halle, wo er mit anderen an der Übersetzung des Neuen Testaments in die neugriechische Sprache arbeitete, kam er 1709 in der berühmten Universität Altdorf an, an der er als Grieche nicht nur die Sympathie, sondern auch den Respekt der Gelehrten und des damaligen Scholarchen, d.h. „Bildungsministers“, von Nürnberg, Christoph Fürer von Haimendorf, gewann. Anlässlich der Heirat der Tochter des Letzteren verfasste Helladius ein bemerkenswertes deutsch-griechisches Glückwunschgedicht, mit dem er die Gunst des Ministers an sich zog, der anschließend als sein Wohltäter den jungen Griechen finanziell unterstützte, damit er sein Studium zu Ende führen konnte. Helladius studierte Medizin - vor allem die neue Amputationstechnik - bei den Koryphäen seiner Zeit und veröffentlichte diesbezügliche Abhandlungen, für die der russische Zar Peter großes Interesse zeigte. Es gelang ihm sogar, bei einem Kuraufenthalt des Zaren im Kurbad Karlo Vivari Audienz(en) bei ihm zu haben.

Ein anderes, sprachwissenschaftliches Werk von Helladius war  «Status praesens ecclesiae Graecae», 1714 heimlich an der Zensur der lokalen Herrscher und der Professoren vorbei gedruckt und dem Zaren Peter gewidmet. Darin versucht der Verfasser nachzuweisen, dass im griechischen Raum unter der osmanischen Herrschaft ein gewisses Bildungsniveau in den Grund- und Oberschulen und zwar durch die Hilfe der orthodoxen Kirche gehalten wurde. Die Widmung jedoch war sehr wahrscheinlich der Anlass dafür, dass 1714 Helladius völlig unerwartet Altdorf verließ, denn die Herrschenden in Nürnberg wollten ihre Beziehungen zum Kaiser in Wien – dem Konkurrenten von Peter – nicht stören lassen.

Wohin ging Helladius? Es ist eine Notiz über seinen Aufenthalt 1715 in Kiew erhalten, während sein weiteres Wirken unbekannt bleibt. Hat er als (Militär-)Arzt im Russland des Zaren gedient? Darüber würde sich eine Forschung lohnen. Jedenfalls konnte der Arzt und Philosoph Helladius ein bemerkenswertes Werk zu Beginn des 18. Jahrhunderts vorweisen, an dessen Ende ein anderer Arzt und Philosoph im kosmopolitischen Paris wirkte, nämlich Korais.

Den Vortrag sowie die interessante Führung durch Altdorf am Anfang der Veranstaltung mit Hans Recknagel gab in der griechischen Sprache der Schriftführer des Verbandes und Leiter der griechischen Schule in Nürnberg / Langwasser, Herr Dr. Evthymios Papachristos, wieder. Es sei angemerkt, dass der erste Grieche aus der griechischen Kolonie von Nürnberg, der sich mit den Griechen befasste, die an der Universität Altdorf wirkten, Sotirios Xognos, der Vorsitzende des Vereins „PHILOS“, ist.

Der Vorsitzende des Verbande, Diamantis Gikas, dankte dem Referenten Dr. Schultheiss sowie allen Freunden für ihre Teilnahme und versprach noch mehr interessante Vorträge des Verbandes.